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Lebendig und individuell: Vielfalt als Erfolgskonzept von Baugemeinschaften

Das Podium zum gemeinschaftlichen Bauen der Stadt Konstanz und des Architekturforums Konstanz-Kreuzlingen war ein vielversprechender Auftakt. Drei erfahrene Referenten berichteten von den Erfahrungen mit Baugemeinschaften in Tübingen.



Die Referenten Hartmut Fritz, Tilman Gocht, Matthias Gütschow, Moderator Stefan Neubig, Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn und Marion Klose, Leiterin des Amtes für Stadtplanung und Umwelt (v.l.).© Stadt Konstanz

Eine Baugemeinschaft ist eine Gruppe von Menschen, die zusammen ein Haus oder eine Häusergruppe nach ihren eigenen Vorstellungen und Ideen eigenverantwortlich planen, bauen und bewohnen.

Gemeinschaftliches Bauen hat dabei ganz entscheidende Vorteile: Baugruppen können ihre ganz individuellen Wohnbedürfnisse und -wünsche umsetzen. Vom Mehrgenerationenhaus, Low-Budget-Projekt, WG-Haus, über speziell auf ältere Bewohner zugeschnittene Konzepte bis hin zum gehobenen, wohnarchitektonischen Anspruch gibt es für jeden Bedarf eine Lösung. Außerdem kann durch die eigene Planung besonders kostentransparent und kostensparend gebaut werden -  oft 20 bis 25 Prozent günstiger als mit einem Bauträger.

Am wertvollsten ist jedoch die Gemeinschaft, die schon im Planungsprozess zusammenwächst. Man baut schon vor dem Einzug ein Verhältnis zueinander auf, das eine gute Basis für das spätere Zusammenleben bildet.

 

Lebendig und bedarfsgerecht

Baugemeinschaften sind ein zeitgemäßer Ansatz um preisgünstigen Wohnraum zu schaffen und das Wohnangebot einer Stadt zu erweitern. Das machte Matthias Gütschow in seinem Vortrag deutlich. Er ist Gründungsmitglied und Vorstand des „Bundesverbandes Baugemeinschaften e.V." und ist selbstständig tätig im Bereich Projektleitung von Baugemeinschaften sowie in der Beratung von Kommunen zur Quartiersentwicklung mit Baugemeinschaften. Im Fall Konstanz ist Gütschow der Ansicht, dass wichtige Voraussetzungen durch die Einbindung in das Handlungsprogramm Wohnen bereits geschaffen wurden.

 

Der zweite Referent, Tilman Gocht ist Mitbegründer der Regionalen Koordination des „Mietshäuser Syndikates", ein Verbund von selbstorganisierten und selbstverwalteten Hausprojekten und hat seinen Ursprung in Freiburg. In Deutschland gibt es mittlerweile 111 Hausprojekte und 21 Projektinitiativen. Gocht gab einen Einblick in die Funktionsweisen des Verbundes und in die Syndikatsidee. Hinter dieser steckt vor allem der Gedanke der Unverkäuflichkeit der Objekte, der Selbstorganisation und der Solidarität der Projekte unter einander. Das führt dazu, dass die Mietpreise in Projekten des „Mietshäuser Syndikats" wesentlich unter dem jeweiligen Durchschnitt liegen und dauerhaft der Bodenpreisspekulation entzogen werden.

 

Architekt Hartmut Fritz, der seit seinem ersten Baugemeinschaftsprojekt mittlerweile mehr als 20 weitere in Tübingen, Böblingen, Nagold, Magstadt und Renningen realisiert hat, zeigte Ausschnitte aus der Planung dieser Projekte. Denn Baugemeinschaften bieten nicht nur den zukünftigen Bewohnern, sondern auch den Architekten viel Raum für Innovationen. Fritz hatte beispielsweise einen Entwurf für eine Tiefgarage mitgebracht, der an einen Ballsaal angelehnt war.

 

 

Baugemeinschaften auf den Weg bringen

Beim anschließenden Podium mit den Referenten und Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn sowie Marion Klose, Leiterin des Amtes für Stadtplanung und Umwelt, zeigten die vielen Fragen aus dem Publikum, dass reges Interesse an dem Bau- und Wohnkonzept besteht. Es wurde nach den Vergabekriterien, der Umsetzung der Selbstorganisation in der Praxis oder wie sich eine Baugemeinschaft überhaupt erst findet, gefragt.

 

Zu der Frage, welche Möglichkeiten die Stadt Konstanz sieht, ob eher private oder genossenschaftliche Wohngruppen, wie im Fall des „Mietshäuser Syndikats", antwortete Marion Klose: „Wir als Stadt sind in diesem Fall völlig offen. Wichtig ist uns vor allem, dass die Projekte nun auf den Weg gebracht werden!" Für Langensteiner-Schönborn hat es Priorität, „die Menschen ins Eigentum zu bringen und unter humanen finanziellen Bedingungen zu bauen." Dabei wird man sich auch an den Erfahrungen aus Tübingen orientieren.

 

Wie groß das Interesse an Baugruppe tatsächlich ist, zeigte eine spontane Umfrage durch Bürgermeister Langensteiner-Schönborn: Auf die Frage, wer sich vorstellen könnte in einer Baugemeinschaft zur Miete oder als Eigentümer zu wohnen, meldeten sich jeweils zwei Drittel der im Saal Anwesenden mit Handzeichen.

 


Unter gemeinsambauen@konstanz.de können sich Interessierte für den Newsletter anmelden© Stadt Konstanz

Weitere Veranstaltungen folgen

Die nächsten Flächen im Handlungsprogramm Wohnen, auf denen Baugemeinschaften umgesetzt werden sollen, sind Dettingen-Brühläcker und Litzelstetten-Marienweg.

 

Es wurde eine städtische Projektgruppe als Ansprechpartner für Initiativen und Interessierte eingerichtet, die die Grundstücksvergabeverfahren erarbeitet und weitere Veranstaltungen zum Thema Gemeinschaftliches Bauen vorbereitet. Unter der Email gemeinsambauen@konstanz.de kann man sich für den Newsletter der Projektegruppe anmelden. Mehr Informationen gibt es auch unter www.konstanz.de/baugemeinschaften .

 

Das Architekturforum Konstanz-Kreuzlingen führt am Tag der Architektur am Samstag, den 25.06.2016 eine Exkursion in die Baugemeinschaftsquartiere in Tübingen durch. Weitere Informationen unter www.architekturforumkk.org unter „Programm".



Zuletzt aktualisiert am: 23.06.2016

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