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Treffen der Behindertenbeauftragten aus der Vierländerregion Bodensee in Konstanz

Am Dienstag, 14. März 2017 fand im Landratsamt Konstanz das erste Treffen der Behindertenbeauftragten aus der Vierländerregion Bodensee statt.


Eingeladen hatte dazu Oswald Ammon, Behindertenbeauftragter des Landkreises Konstanz. Insgesamt nahmen 17 Personen aus dem Fürstentum Liechtenstein, Vorarlberg, den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen, dem Bodenseekreis und dem Landkreis Konstanz teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Brigitte Späth, Vizepräsidentin der Kantonalkommission von ProInfirmis Thurgau und Schaffhausen.


Das Treffen fand im Vorfeld der grenzüberschreitenden Tagung am 11. Oktober 2017 in Friedrichshafen statt, bei der BehindertenvertreterInnen von Kommunen, Landkreisen, der Länder sowie von Betrieben, VertreterInnen von Selbsthilfeorganisationen, Institutionen und Ämtern zusammenkommen werden.


Neben einem ersten Kennenlernen und Austausch wurden in Konstanz zunächst gemeinsame Themenfelder für eine weitere Zusammenarbeit identifiziert:

  1. Tourismus, Sport, Digitalisierung bzw. grenzüberschreitende Mobilität:
    Dies umfasst die Themen Barrierefreiheit, digitale Erfassung der Zugänglichkeit von Städten, Kultur und Sport inklusiv, wie auch die gegenseitige Anerkennung des Behindertenstatus für den öffentlichen Personennahverkehr (einschließlich der Bodenseeschifffahrt), Schwimmbäder, Museen, und weitere. Folgende Aktionen sind bereits angedacht:

    Analoge Anerkennung des Behindertenstatus, z.B. mit der Schaffung einer länderübergreifenden Wertmarke, die je nach Behinderung entweder kostenlos oder gegen einen Eigenanteil erworben werden kann. Bei der Umsetzung sehen die Behindertenbeauftragten vor allem die Politik gefordert.

    Ferner werden digitale Karten zur Zugänglichkeit für alle vier Bodenseeregionen erstellt, die von jedermann genutzt werden können. Hierfür wird eine Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) Konstanz und der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) angestrebt.

    Im Bereich Tourismus (z.B. Hotels, Restaurants) müssen grenzüberschreitende, vergleichbare Standards entwickelt werden, die Auskunft über die Barrierefreiheit geben.

    Im Bereich von Sport inklusiv werden 2018 die „Offenen Süddeutschen Meisterschaften in der Leichtathletik für Menschen mit Behinderung" in Singen mit einem Inklusions-Triathlon durchgeführt. 2019 werden zum dritten Mal die „Internationalen Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik für Menschen mit Behinderung" erneut in Singen stattfinden. Man hofft jeweils auf rege Beteiligung aus der Vierländerregion.



  2. Das "Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen", kurz UN Behindertenrechtskonvention, dem bis auf Liechtenstein bisher alle Bodensee-Anrainer beigetreten sind, stellt sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung für die Sozial- und Behindertenpolitik dar. Unter dem Schlagwort Inklusion geht es hier um Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Menschen mit Behinderung.

    „Nicht das von vornherein negative Verständnis von Behinderung soll Normalität sein, sondern ein gemeinsames Leben aller Menschen mit und ohne Handicap", betonen Brigitte Späth und Oswald Ammon gemeinsam. Thematisiert werden Selbstvertretung, Zugänglichkeit im Sinne von Barrierefreiheit aber auch bezogen auf gesellschaftliche, politische, kulturelle Teilhabe, ebenso wie der Zugang zu Bildung und zum Erwerbsleben. Es wurde angedacht, Erfolgsfaktoren für institutionelle Angebote für Menschen mit Behinderung beim Wohnen und Arbeiten sowie in der Freizeit anhand konkreter Beispiele näher zu betrachten und an der kommenden Tagung vorzustellen.



  3. Ferner wurde gemäß dem Leitsatz der Behindertenrechtsbewegung „Nichts über uns, ohne uns", das Thema Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung und deren Teilhabe an Entscheidungsprozessen aufgegriffen. Hier zeigten sich deutliche kulturelle Unterschiede; während in Deutschland die (Selbst-)Vertretung über die Beauftragten von Menschen mit Behinderung auf der Ebene der Länder, Kreise, Städte und in den Betrieben weitgehend institutionalisiert ist, gibt es dies in der Schweiz oder Liechtenstein nicht. Allerdings sind hier andere Formen vorhanden, wie etwa kantonale Behindertenkonferenzen, in denen sich Vertreter/innen von Selbsthilfeinstitutionen, Behindertenverbände und Behinderteninstitutionen zusammenfinden, u.a. um ihre Interessen gegenüber den politischen Institutionen zu vertreten. Auch gibt es verschiedene Initiativen in Österreich und der Schweiz, um Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Mehrfachbehinderung in der Selbstvertretung ihrer Interessen zu schulen.

 

Bis zur bevorstehenden internationalen Bodenseetagung werden diese Themen in Arbeitsgruppen bearbeitet. Ferner ist auch ein "Markt" angedacht, an dem sich verschiedene Initiativen und Projekte für und von Menschen mit Behinderung vorstellen können.

 

Insgesamt geht es dabei um den grenzüberschreitenden Austausch und vielfältige Anregungen mit dem Ziel, die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Angedacht ist, dass solche Veranstaltungen in regelmäßigen Abständen von jeweils anderen Gastgebern ausgerichtet werden. Oswald Ammon schloss die Veranstaltung mit dem Wunsch, dass diesem ersten Treffen „noch viele fruchtbare, konstruktive und von Erfolgen gekrönte weitere Treffen folgen mögen."



Zuletzt aktualisiert am: 20.03.2017

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