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Alle inklusive: Barrierefreiheit heißt Lebensqualität für alle

Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg zeichnet 12 barrierefreie Gemeinden aus


Inklusion braucht eine umfassende Barrierefreiheit. Jede Barriere ist eine zuviel. Deshalb müssen sie weg. Zwölf Städte und Gemeinden wurden heute im Rahmen des vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg ausgelobten Wettbewerb „Alle inklusive: barrierefreie Gemeinde in Baden-Württemberg 2017" für ihr vorbildliches Engagements für ein „Leben ohne Barrieren" ausgezeichnet. Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration Baden-Württemberg und Schirmherr des Wettbewerbs, würdigte bei der Preisverleihung in der Sparkassen-Akademie in Stuttgart die Preisträger. Der Wettbewerb fand nach 1998, 2002, 2008 und 2012 nun zum fünften Mal statt. Die Preisträger erhielten eine Plakette.

 

Barrierefreiheit beginnt im Kopf

„Barrierefreiheit beginnt im Kopf. Daher müssen wir auch hier ansetzen. Wir müssen unsere Haltung und Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderung ändern. Vorurteile, Missverständnisse und Unsicherheiten dürfen hier keinen Platz haben. Die heute ausgezeichneten Gemeinden haben das vorbildlich verinnerlicht. Es sind Gemeinden, die das Thema Inklusion nicht nur in ihre Leitbildern geschrieben haben, sondern ganz konkret im Alltag leben - dort, wo sich Menschen begegnen," sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha.

 

Barrierefreiheit umfasst weit mehr als abgesenkte Bordsteine

„Barrierefreiheit umfasst weit mehr als abgesenkte Bordsteine, stufenlose Zugänge, Aufzüge und Rampen. Dazu gehören ebenso Orientierungshilfen, Informationen in „Leichter Sprache", Kommunikationshilfen für Menschen, die keine Lautsprache haben, und vieles mehr", machte Landesvorsitzender Thomas Seyfarth deutlich. „Wir wissen, dass es die perfekte barrierefreie und inklusive Gemeinde - noch nicht - gibt. Inklusion geht uns alle an - und gelingt nur gemeinsam."

 


Zwölf Gemeinden ausgezeichnet


Ausschlaggebend für die Preisverleihung war, dass die Gemeinden möglichst durchgängig in den unterschiedlichen Handlungsfeldern wie Bildung und Erziehung, Verwaltung, Wohnen, Öffentlicher Personennahverkehr, Freizeit / Kultur / Sport, Handel und Gewerbe sowie im Tourismus Barrieren abbauen und Inklusion leben. „Die Preisträger 2017 sind Leuchttürme auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft," betonte die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Jutta Pagel-Steidl. Ausgezeichnet wurden: Grabenstetten (Landkreis Reutlingen), Schwarzach (Neckar-Odenwald-Kreis), Stegen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), Dußlingen (Landkreis Tübingen), Löffingen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald), Forst (Landkreis Karlsruhe), Schriesheim (Rhein-Neckar-Kreis), Bad Saulgau (Landkreis Sigmaringen), Waldkirch (Landkreis Emmendingen), Singen (Landkreis Konstanz), Konstanz (Landkreis Konstanz) und Tübingen (Landkreis Tübingen).

 

Barrierefreiheit lohnt sich für alle

Die Esslinger Architektin und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Barrierefreies Bauen, Ilona Hocher Brendel, stellte bei der Preisverleihung gelungene barrierefreie Bauprojekte vor. „Barrierefreies Bauen ist bei intelligenter Planung nicht teurer."

 

Für Menschen im Rollstuhl sind Falschparker auf den wenigen Behindertenparkplätzen mehr als nur ein Ärgernis. Mit „Lovely Rita - Ordnung muss sein" machte der Heilbronner Journalist Uwe Kaiser humorvoll auf das Problem aufmerksam und rückte damit die wertvolle Aufgabe der Politessen ins richtige Licht. Das Projekt wurde mit dem Heilbronner Bürgerpreis 2017 der Kreissparkasse Heilbronn ausgezeichnet.

 

Barrierefreiheit ist noch nicht überall umgesetzt

Der Wettbewerb hat auch Lücken in der barrierefreien Infrastruktur sichtbar gemacht. So fehlen landesweit barrierefreie und bezahlbare Wohnungen. Noch immer können Menschen mit Behinderung nur selten Busse und Bahne alleine nutzen. Nur in wenigen Orten sind Rollstuhl-Taxen unterwegs. Orientierungshilfen für blinde / sehbehinderte Menschen gibt es kaum. Auch Kommunikationshilfen für gehörlose und schwerhörige Menschen sind selten. Informationen in „Leichter Sprache" fehlen oft. Unbefriedigend ist die Situation insbesondere im Bereich Gastronomie / Hotel, Freizeit und Tourismus. Im Durchschnitt ist nur etwa jede vierte Gaststätte stufenlos zugänglich. Davon verfügt maximal die Hälfte über eine Rollstuhltoilette. Baby-Wickeltische gibt es inzwischen überall. Doch eine „Toilette für alle", also eine Rollstuhltoilette mit einem Wickeltisch für Erwachsene und Patientenlifter, gibt es bislang nur 25 Mal im Land. Pagel-Steidl: „Barrierefreiheit umzusetzen, ist ein Prozess."



Zuletzt aktualisiert am: 30.11.2017

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