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Sicherheit geht vor

Gefahrensituationen sind immer wieder neu zu prüfen und zu bewerten


Ob Weinfest, Seenachtfest, Weihnachtsmarkt, Flohmarkt, Gassenfreitag oder Fastnachtsumzüge: in vielen Bereichen sind in den letzten Jahren die Standards für die Sicherheit bei öffentlichen Veranstaltungen erhöht worden. Damit reagieren die Ordnungsbehörden auf Vorfälle wie zum Beispiel bei der Love-Parade in Duisburg (2010), die neue Sicherheitsdebatten ausgelöst haben. Letztlich geht es um die Sicherheit der Menschen - und diese muss vorgehen.

 

Hoher Abstimmungsbedarf

Beim Seenachtfest wurde bereits vor fünf Jahren ein neues Sicherheitskonzept umgesetzt. Der konkrete Anlass war der gewachsene Besucherstrom, der eine kritische Masse erreicht hatte - so wie beim Weinfest, bei dem in diesem Jahr zum ersten Mal die Besucherzahl auf 8.000 Personen begrenzt wurde. Die Erarbeitung eines solchen Sicherheitskonzeptes entsteht aus dem Zusammenwirken vieler Akteure in zahlreichen Besprechungen und Abstimmungen. Beim Sicherheitskonzept für das Seenachtfest waren die Polizei, die Wasserschutzpolizei, die Zollbehörden, die Feuerwehr, die Rettungsdienste, die Bundesbahn, die Bodensee-Schiffsbetriebe, das Bürgeramt, der Veranstalter und ein externer Sachverständiger für Veranstaltungssicherheit beteiligt. Das klingt zunächst nach viel Bürokratie - und der achtseitige Genehmigungsbescheid mit Auflagen sowie das 129-Seiten starke Sicherheitskonzept scheinen dies auch optisch zu bestätigen – aber ein abgestimmtes und koordiniertes Verfahren, das möglichst viele relevante Perspektiven berücksichtig, ist eben ohne klare Prozesse und Strukturen nicht möglich.

 

Nicht mehr als 45.000 Besucher

Der Kern des gesamten Sicherheitspaketes für das Seenachtfest, das auch in diesem Jahr gilt, besteht in der Besucherlimitierung auf 45.000 Personen. Ermöglicht wird diese Limitierung durch die Menge der ausgegeben Karten und Einlasskontrollen. Weitere Auflagen regeln das Glasverbot, die Absperrung von Gleisanlagen, die Zählung der Besucher für die einzelnen Veranstaltungsbereiche und die Freihaltung von Rettungsdienstzufahrten.

 

„Schwarze Schwäne“ mahnen

Es gibt Stimmen, die die Sicherheitsauflagen der Ordnungsbehörden für überzogen halten und auf ein „allgemeines Lebensrisiko“ verweisen, das mit großen öffentlichen Veranstaltungen eben verbunden sei. Die Verwaltung kann sich auf eine solche Position nicht zurückziehen. Wer das Wohl des Bürgers als unantastbares Gut betrachtet, kommt nicht umhin, eine „Null-Toleranz-Praxis“ gegenüber physischen Gefährdungen zu praktizieren. Dass dies nicht immer gelingt, zeigt Prof. Wolfgang Seibel von der Universität Konstanz in seinem Buch „Schwarze Schwäne in der Verwaltung: Seltenes Organisationsversagen mit schwerwiegenden Folgen“ (2017). Es mahnt, präventive Mechanismen und Verantwortungsstrukturen immer wieder zu überdenken und auf den Prüfstand zu stellen – und gegebenenfalls auch neu zu definieren.



Zuletzt aktualisiert am: 07.08.2018

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