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2.000-Watt-Gesellschaft


Die 2.000-Watt-Gesellschaft verfolgt das Ziel, durch Steigerung der Energieeffizienz und Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien die Treibhausgasemissionen soweit zu senken, dass sich die Erwärmung des Klimas global auf zwei Grad Celsius stabilisiert und der energiebedingte Konsum von endlichen Ressourcen wieder ein nachhaltiges Maß erreicht. Das Modell sieht vor, den Primärenergiebedarf langfristig auf 2.000 Watt Dauerleistung pro Person sowie den Ausstoß von Treibhausgasen auf eine Tonne CO2-Äquivalente zu senken.


 

Herausforderung Klimawandel - Vision der 2.000-Watt-Gesellschaft

Hauptursache für die globale Erwärmung sind Treibhausgase. Um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, muss der durch die menschliche Zivilisation verursachte Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 weltweit um 50 % sinken, in den Industrieländern um 80 % bis 90 %.

 

Der Energiebedarf der Industrieländer wird heute zu rund 80 % mit fossilen Ressourcen gedeckt. Die Begrenzung der globalen Erderwärmung auf zwei Grad und die Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung sind daher sehr anspruchsvolle Ziele und verlangen große Umstellungen. Diese drängen sich auch aus einem anderen Grund auf: Die Erdölreserven neigen sich dem Ende zu und die Fördermethoden werden immer umweltschädlicher (Beispiel Ölsand). Auch die anderen fossilen Energieträger sind endlich und irgendwann erschöpft. Die Frage ist, wie die klima- und energiepolitische Wende vollzogen werden kann.

 

Einen umfassenden Ansatz bietet die 2.000-Watt-Gesellschaft. Sie stellt eine globale Vision für eine nachhaltige Nutzung und gerechte Verteilung der natürlichen Ressourcen dar. Ziel der 2.000-Watt-Gesellschaft ist es, den Treibhausgasausstoß auf 1 Tonne CO2-Äquivalente pro Person und Jahr zu reduzieren. Dies entspricht der Emissionsmenge, die mit dem Klimaziel «maximal zwei Grad Celsius globale Erderwärmung» vereinbar ist. Damit geht die Begrenzung des Energiebedarfs auf ein nachhaltiges Maß einher, was entsprechend der Berechnungen der ETH Zürich etwa 2.000 Watt Dauerleistung pro Person bzw. 17.500 Kilowattstunden pro Person und Jahr entspricht.

 

Von den 2.000 Watt pro Person dürfen höchstens 500 Watt aus fossilen Energieträgern bezogen werden. Dieser Bedarf verursacht Treibhausgasemissionen in Höhe von etwa einer Tonne an CO2-Äquivalenten, was als klimaverträglich erachtet wird. Die übrigen 1.500 Watt werden durch erneuerbare Energien bereitgestellt: Sonne, Wind, Erdwärme, Biomasse, Wasser und weitere. Größer sollte der Bedarf nicht ausfallen, da auch den erneuerbaren Energien gewisse Grenzen gesetzt sind. Weder Wasserkraft noch Biomasse stehen uneingeschränkt zur Verfügung, und auch bei der Nutzung aller weiterer Formen erneuerbarer Energien werden endliche Ressourcen wie Land, Landschaft, seltene Metalle oder Trinkwasser benötigt.

 

Mit 2.000 Watt, so die Vision, sollen wirtschaftliche Entwicklung und hohe Lebensqualität in allen Regionen der Erde möglich sein. Die Senkung des Energiebedarfs kann ohne Einbußen an Lebensqualität erfolgen.

 

Den Weg zur 2.000-Watt-Gesellschaft prägen drei zentrale Elemente: Energieeffizienz, erneuerbare Energien (Substitution fossiler Energieträger) sowie eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebensweise (Suffizienz). Anpassungen des Lebensstils, Änderungen im Konsumverhalten und Drosselung der Nachfrage nach Energie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Energiebilanz im privaten und wirtschaftlichen Leben. Das Konzept der 2.000-Watt-Gesellschaft hat in der Schweiz und zunehmend auch in Deutschland in zahlreiche energiepolitische Leitbilder Eingang gefunden, sowohl in Verwaltung und Wirtschaft wie auch bei zivilgesellschaftlichen Organisationen und Institutionen.

 

Die Stadt Konstanz hat sich mit anderen Städten der Bodenseeregion dazu entschieden, ein Erreichen der 2000-Watt-Gesellschaft mit den beschriebenen Reduktionszielen bereits für 2050 anzustreben (ein entsprechender Beschluss wurde am 19.07.2012 durch den Technischen und Umweltausschuss des Gemeinderats getroffen).

 


Regionalstudie "2.000-Watt-Gesellschaft Bodensee"

Das europäische Regionalprogramm Interreg IV «Alpenrhein - Bodensee - Hochrhein» benannte Klimaschutz und nachhaltige Energieversorgung als zentrale Themen der Zukunft. Im Rahmen des Projektes «Städte gestalten Zukunft» hat Konstanz daher zusammen mit Feldkirch, Friedrichshafen, Radolfzell, Schaffhausen, Singen und Überlingen eine Arbeitsgruppe gebildet, um die grenzüberschreitenden Herausforderungen des Klimawandels und der nachhaltigen Energieversorgung im Raum Bodensee gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Politik, Verwaltung und Wirtschaft anzugehen.

 

Die sieben Städte verfolgten zu diesem Zeitpunkt auf lokaler Ebene bereits eine anerkannte, bewusste Klima- und Energiepolitik. In der Absicht, die regionale Zusammenarbeit verstärkt für die Umsetzung der 2.000-Watt-Gesellschaft zu nutzen, haben sie die «Regionalstudie 2.000-Watt-Gesellschaft Bodensee» in Auftrag gegeben. Die Studie untersuchte, welche Chancen und Risiken sich aus der Umsetzung der 2.000-Watt-Gesellschaft für die Region ergeben und welche Handlungsspielräume für die interkommunale Zusammenarbeit bestehen. Sie zeigt die unterschiedlichen klimapolitischen Zielsetzungen und Rahmenbedingungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, nennt Trend- und Zielszenarien und lotet die Potenziale für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in der Region aus. Sie entwickelt Leitlinien und Maßnahmen in strategisch zentralen Handlungsfeldern, die zur 2.000-Watt-Gesellschaft führen und formuliert Empfehlungen für die interkommunale Zusammenarbeit.

 


Die wesentlichen Ergebnisse der Studie:

Die Regionalstudie 2.000-Watt-Gesellschaft Bodensee kommt zum Schluss, dass die Bodensee-Region die Ziele der 2.000-Watt-Gesellschaft erreichen kann. Voraussetzung dafür ist die konsequente Verbesserung der Energieeffizienz, ein umfassender Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region sowie ein energiebewusstes Verhalten im Alltag und beim Konsum. Die Region verfügt über vielversprechende Potenziale: Mit Effizienzmaßnahmen kann der Energiebedarf bis 2080 auf rund die Hälfte reduziert werden und mit der Nutzung der heute bekannten Potenziale an erneuerbarer Energie würde die Bodensee-Region im Energiesektor langfristig weitgehend zur Selbstversorgerin. Dies unter der Voraussetzung, dass gesamtwirtschaftliches Wachstum und Komfortsteigerung zukünftig vor allem über qualitative Verbesserungen und weniger über rein quantitative Zunahme erfolgen.

 

Der Weg zur 2.000-Watt-Gesellschaft ist anspruchsvoll: Er verlangt klare politische Zielsetzungen mit einer langfristigen Perspektive und erfordert wesentliche Anpassungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Dieser Prozess kann so gestaltet werden, dass die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen überwiegend positiv sind und dass Chancen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Region genutzt werden.

 

Die Regionalstudie legt ihren Fokus auf die regionale Ebene. Sie zeigt auf, wie die Kommunen in interkommunaler Zusammenarbeit klima- und energiepolitische Maßnahmen mit hoher Verbindlichkeit und Wirksamkeit umsetzen und dadurch wesentliche Impulse zur Verwirklichung der 2.000-Watt-Gesellschaft geben können. Sie empfiehlt, diese Kooperation möglichst rasch zu konkretisieren und insbesondere erste Schritte zur gemeinsamen Erschließung der regionalen Potenziale einzuleiten.


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