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Grenzgänger Wissenschaft

Neue Veranstaltungsreihe mit der Universität Konstanz, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung und der Pädagogischen Hochschule Thurgau

Was geschieht, wenn Architekten und Soziologen gemeinsam über Stadtentwicklung diskutieren? Wenn Erziehungswissenschaftler und Maschinenbauer ihre Visionen für die Zukunft teilen? Wenn Sportwissenschaftler, Gesundheitsinformatiker und Biologen dem Gesundheitssystem auf den Zahn fühlen?

Die neue Veranstaltungsreihe „Grenzgänger Wissenschaft" holt sie alle an einen Tisch: Die Hochschulen aus Konstanz und Kreuzlingen sowie die Stadt Konstanz bringen in dem neuen Veranstaltungsformat ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Gesellschaft zu diskutieren: Aus verschiedenen Blickwinkeln, interaktiv mit dem Publikum und gern auch kontrovers. Unerwartete Diskussionen entstehen, wenn Expertisen aus unterschiedlichen Fachgebieten und Hochschulen zusammentreffen und neue Perspektiven auf ein aktuelles Thema möglich machen.

„Grenzgänger Wissenschaft" greift aktuelle, gesellschaftsrelevante Themen und Debatten auf, mit besonderem Fokus auf die Städte Konstanz und Kreuzlingen sowie auf die Region. Zu diesen Fragestellungen zeigt die moderierte Veranstaltungsreihe Lösungen und Denkanstöße auf, die die Konstanzer und Kreuzlinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bieten - für Stadt und Region, für die Gesellschaft und übergreifende Fragen. Diskutiert werden unter anderem Themen der Stadtentwicklung, der Migrationsströme und Integration, der Bildung und des Gesundheitswesens sowie die gesellschaftlichen Transformationen, die neue Technologien mit sich bringen. Jeweils zwei oder mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachdisziplinen der Hochschulen werden ihre aktuelle Forschung zu den Themengebieten vorstellen und die Themen interaktiv mit dem Publikum diskutieren.

„Grenzgänger Wissenschaft" findet an zwei wechselnden Orten statt, pendelnd zwischen Konstanz und Kreuzlingen in der Schweiz. Die politische Grenzlinie zwischen den Staaten ist jedoch nur eine der Grenzen, die die neue Veranstaltungsreihe überschreitet: Die Diskussion bewegt sich auch über die Grenzen der wissenschaftlichen Fachdisziplinen hinweg, schafft einen Austausch zwischen Forschenden aus drei Hochschulen und schließt nicht zuletzt die vermeintliche Grenze zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Veranstaltungen werden von der Internationalen Bodensee-Hochschule IBH gefördert und finden im Rahmen der Reihe "IBH-Positionen - Dialog zwischen Wissenschaft und Kultur" statt. Das IBH-Jahresthema 2016/2017 lautet "Mobilität - Zwischen Bewegung und Transformation".


Weitere Veranstaltungen




Vergangene Veranstaltungen

In der Auftaktveranstaltung zur neuen Reihe „Grenzgänger Wissenschaft" am 15. November 2016 ging es um Wohnraum, Nachhaltigkeit und Sozialkapital

„Grenzgänger Wissenschaft" hat seinen Anfang in Konstanz genommen. Die neue Veranstaltungsreihe der Universität Konstanz, der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG), der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) in Kreuzlingen und der Stadt Konstanz hatte ins weiträumige Café pano an der Markstätte geladen, und eine stattliche Zahl an Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Die Auftaktveranstaltung griff eine hochaktuelle Frage auf: „Wer kann sich das Leben in der Stadt (noch) leisten?" Prof. Dr. Maike Sippel, an der HTWG unter anderem für die Fachgebiete Energie- und Klimaschutzstrategien, Klimapolitik und Nachhaltige Entwicklung zuständig, und Thomas Wöhler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Soziologie der Universität Konstanz, nahmen sie in Angriff.

Moderator Philipp Queiser von Radio Seefunk RSF erklärte zu Anfang die Funktion der kleinen Geräte, die unter dem Publikum verteilt worden waren: Dieses sollte damit seine Einschätzung abgeben zum Beispiel zur Frage, wie groß in Konstanz eine durchschnittliche Wohnung ist. Es erwies sich, dass die meisten die größte Stadt am Bodensee ganz gut kennen: 80,7 Quadratmeter lautete die Antwort.

Wie viele Personen sich diese rund 80 Quadratmeter teilen, ist damit jedoch noch nicht gesagt. Womit eines der größten Probleme von Konstanz angesprochen war: Wohnraum.
Die HTWG-Professorin Sippel bezog das Thema Nachhaltigkeit in ihre Überlegungen zu diesem Thema mit ein, wobei sie den Begriff Nachhaltigkeit denkbar weitreichend verstanden wissen wollte und sich auch bei den Flächenressourcen kein Denkverbot auferlegte. Wie können nachhaltige Stadtquartiere entwickelt werden, die einen Strahleffekt auf andere Quartiere haben, formulierte sie eine Frage, die derzeit in Konstanz in vielerlei Hinsicht diskutiert wird. Konstanz ist eine von bundesweit 52 Kommunen, die im Wettbewerb „Zukunftsstadt" erfolgreich waren. Die Universität Konstanz und die HTWG nehmen mit 19 Lehrveranstaltungen daran teil, zukunftsfähige Quartiere zu entwickeln.

Das Interesse des Soziologen Thomas Wöhler zielt auf die Beziehungen, die die Menschen in und zwischen den Quartieren untereinander pflegen. Er gehört zum Team, das an der Universität Konstanz im Auftrag der Stadt Bürgerbefragungen in der Stadt Konstanz, unter gelegentlichem Einbezug von Kreuzlingen, durchführt. Der Fokus liegt hier auf Fragen wie: Wer kennt wen und warum? Während im Sinne etwa der energetischen Nachhaltigkeit gelungene Quartiere in Konstanz weitgehend noch Zukunftsmusik sind, ist „das Sozialkapital" hier hoch, so Wöhler. Die Umfragen ergaben, dass 85 Prozent der Konstanzerinnen und Konstanzer in diesem Sinne mit ihrer Stadt zufrieden sind.

Auch bei der Frage nach der Zahl derjenigen, die zum Arbeiten in den Thurgau gehen, erwies sich das Publikum als treffsicher: 3.800 Personen überschreiten die Grenze zur Schweiz, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Damit bot sich die Schweiz auch als Vergleich zu Konstanzer Verhältnissen an. Zürich zum Beispiel, das sich insbesondere mit sogenannten Cluster-Wohnungen für die Zukunft wappnet. Je nachdem, wie der aktuelle Wohnraumbedarf ist, können Mieter Wohnraum dazu mieten oder ihn wieder verkleinern. Ein Modell, das für Konstanz, in dem viele ältere Menschen in viel zu großen Wohnungen leben, Relevanz haben könnte. „Wenn es sich die Feuerwehrleute nicht mehr leisten können, in der Stadt zu wohnen, hat die Stadt ein Problem", brachte Thomas Wöhler dann auch die Mietpreise in Konstanz auf den Punkt.

Muss für jede Nachfrage ein Angebot geschaffen werden? Wie können wir gut mit Flächen umgehen? Was ist die Grenze des Wachstums in Konstanz? Wie kann eine Zusammenarbeit mit den Vororten, aber auch mit der Schweizer Nachbarstadt Kreuzlingen aussehen? Weitere Fragen, die von Maike Sippel, Thomas Wöhler und schließlich auch vom Publikum gestellt wurden. Nicht alles konnte beantwortet bereits werden, Anregungen gab es jedoch viele.


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