Fußverkehrs-Checks 2021

Ergebnisse der Begehungen im Rahmen des HaProFuß

Bei der Begehung im Rahmen des Fußverkehrs-Checks werden Alternativen zur Gestaltung von Wegweisung für Fußgänger vorgestellt und gemeinsam mit den eingeladenen InteressensvertreterInnen diskutiert. (Bild: Planersocietät)

Ziel der Fußverkehrs-Checks ist die Analyse des Fußwegenetzes im Stadtteil Petershausen. Maßnahmen zur Behebung der Mängel im Fußwegesystem sollen im Rahmen des Handlungsprogramms Fußverkehr (HaPro Fuß) definiert werden.
 
Fußverkehrs-Checks in Corona- Zeiten
Die Stadt Konstanz war dieses Jahr die einzige Kommune, die die Begehungen unter strenger Einhaltung der Corona-Hygiene-Regeln durchführte. Die Beteiligten an der Begehung zeigten großes Interesse am Thema Fußverkehr in Konstanz. Die gemeinsame Analyse der Teilnehmenden – darunter eingeladene Personen aus Bürgerschaft, Verwaltung sowie Interessenvertretungen, Fachleute von der Verkehrspolizei und einem Planungsbüro – ermöglichte den Austausch zwischen allen Beteiligten.
 
Wie komme ich sicher über die Straße?
Fußverkehrs-Check ist das Queren von Fahrbahnen, das für zu Fuß Gehende oft schwierig ist. Hierzu gab es von den Teilnehmenden viele Rückfragen und Berichte. Bespielhaft wurde auf die Situation der Schulkinder des Suso-Gymnasiums hingewiesen, die die Mainaustraße queren müssen. Während der Begehung kamen weitere Stellen zum Vorschein, die exemplarisch für viele weitere im Stadtgebiet stehen. Im Rahmen des Abschlussworkshops werden von Johannes Lensch vom Planungsbüro Planersocietät verschiedene Formen der Querung für die unterschiedlichen Situationen zusammen mit der Prioritätensetzung bei Schaltungen von Ampeln in der Stadt Konstanz vorgestellt.
 
Eine besonders konfliktträchtige Stelle machten die Teilnehmer im Zusammenhang mit dem Abschnitt der Fahrradstraße im Herosépark aus. Über die Brücke fahren im Durchschnitt zwischen 400 und 700 Fahrradfahrer pro Stunde. Weil für solche Fälle auch bundesweit keine Beispiel-Lösung bekannt ist, muss hier unter Berücksichtigung der örtlichen Besonderheiten eine individuelle Lösung gefunden werden, welche von allen Verkehrsteilnehmern respektiert werden soll.
 
 
 
Fußverkehr braucht Platz
Teilnehmer, dass dem Fußverkehr stellenweise nur Restflächen zur Verfügung stehen, was besonders deswegen für problematisch gehalten wurde, weil Fußgänger sich im Gegensatz zum Auto- oder Fahrradverkehr nicht nur linear in eine Richtung bewegen, sondern auch gelegentlich mit unerwarteten Halten oder Richtungswechseln. Außerdem fielen auch temporäre Hindernisse auf den Gehwegen auf: Mülltonnen, Baustellen- und andere Beschilderungen sowie Auslagen und Werbeschilder, die die nutzbare Gehweg-Breite reduzieren. Die Erwartung der Teilnehmenden bezüglich sicherer Gehwege war, dass Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren oder einem Rollkoffer nicht mit anderen Verkehrsteilnehmern in Konflikt kommen. Vor allem Menschen mit Unterstützungen wie Krankenrollstühlen, Blindenleitstöcken oder Begleitpersonen, die sie leiten, müssen Flächen ungefährdet nutzen können.
 
Ruhender Verkehr – Wo stehen Fahrzeuge in der Stadt?
Die Teilnehmenden der Begehung kritisierten, dass zu viele Gehweg-Flächen durch Autos belegt werden. Außerdem habe aufgrund der erfolgreichen Radverkehrsförderung die Zahl der auf Gehwegen abgestellten Fahrräder stark zugenommen, sodass nutzbare Gehwegbreiten auch dadurch reduziert werden. Im Rahmen des Handlungsprogramms Radverkehr werden derzeit attraktive Lösungen für das Abstellen von Fahrrädern im Wohnumfeld erarbeitet, sodass die Gehwege von Fahrrädern frei bleiben.
 
Attraktives Wohnumfeld
Petershausen entwickelt sich weiter. Beispielsweise werden in der Nähe der Schneckenburgstraße in Zukunft neue Wohnungen entstehen. Einige Straßen in diesem Stadtgebiet sind heute noch wie für die ehemalige industrielle Nutzung ausgelegt und weisen somit eine breite Fahrbahn und große Abbiegeradien auf. Hier könnten aus gutachterlicher Sicht Mittelinseln als optisch auffällige Querungshilfen für den Fußverkehr angelegt werden.Maßnahmenvorschläge zu den in den Begehungen genannten Themen werden zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern unter Beratung des Planungsbüros Planersocietät am 4. Mai entwickelt. Eine Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen wird allerdings kurzfristig nicht möglich sein, da hierfür zur Zeit noch keine Mittel im Haushalt vorhanden sind. Ziel der Stadt ist jedoch, mit Beschluss des HaPro Fuß ein jährliches Budget für den Fußverkehr zur Verfügung zu stellen. Leider verzögert sich die Erstellung des HaPro Fuß, weil die in der einschlägigen Richtlinie für Fußverkehrsanlagen festgelegten Standards zur Verbesserung des Fußwegenetzes eine integrierte Verkehrsplanung – die Berücksichtigung der Belange aller Verkehrsarten – im Bestand kaum ermöglichen bzw. nicht umsetzbar sind. Beispielsweise ist nicht zielführend, Radwege durch Fußwege zu ersetzen, weil letztere zu schmal sind, aber auch Fahrbahnen können nicht einfach verschmälert werden, wenn Stadtbusverkehr zu berücksichtigen ist.
 
Der Fußverkehrs-Check in Petershausen ist ein wichtiger Meilenstein in den Bemühungen der Stadt, die Bedingungen für den Fußverkehr zu verbessern. Die gemeinsame Analyse der Stellen mit Herausforderungen für den Fußverkehr und der Austausch zwischen allen Beteiligten haben das gegenseitige Verständnis gestärkt und aktuelle Spielräume aufgezeigt.
 
Link zum Workshop am 4. Mai, 17.30 Uhr über „Webex“:
https://planersocietaet.webex.com/
 
Meeting-Kennnummer:
182 125 3935
Passwort:
FVC_KN2021

(Erstellt am 27. April 2021 15:40 Uhr / geändert am 27. April 2021 15:41 Uhr)