Handlungsprogramm Wohnen: Weg frei für das Quartier Weiherhof Nord
Planungen für Wohnquartier mit 144 Wohneinheiten, einer Pflegeeinrichtung und neuen hochwertigen gewerblichen Flächen

Ein weiteres attraktives Projekt der Innenentwicklung in Konstanz schreitet voran: Der Gemeinderat hat am 25. März 2021 die Auslegung des Bebauungsplans „Weiherhof-Nord, 4. Änderung (Businesspark und Pflegeheim)“ beschlossen. Dort, wo sich aktuell der Firmenparkplatz der Businesspark GmbH und eine ungenutzte Fläche auf dem Grundstück der Spitalstiftung befinden, werden durch den Bebauungsplan die planungsrechtlichen Grundlagen für ein Wohnquartier mit 144 Wohneinheiten und einer Pflegeeinrichtung, aber auch neue hochwertige gewerbliche Flächen geschaffen. Im Zuge der Auslegung sollen nun die Öffentlichkeit und die Träger öffentlicher Belange die Möglichkeit erhalten, sich zum Bebauungsplan und seinen Festsetzungen und Bauvorschriften zu äußern.
Gemeinsam mit den Investoren Businesspark GmbH und Spitalstiftung entschloss sich die Stadt 2016, zwei städtebauliche Ideenwettbewerbe östlich der bestehenden Bebauung des Businessparks durchzuführen. Ziel war die Realisierung eines gemischt genutzten Quartiers, das den Businesspark um zusätzliche Gewerbeflächen ergänzt, aber auch dringend benötigte Wohnungen gemäß dem städtischen Handlungsprogramm Wohnen sowie fehlende Pflegeplätze beinhaltet. Insgesamt 86 Dauerpflegeplätze sieht das Konzept vor. Bereits im November 2016 erfolgte der Planungsbeschluss für das Pflegeheim, im September 2019 der Projektbeschluss soll im Januar 2023 die Pflegeeinrichtung gebaut sein und ihre Arbeit aufnehmen.
Das von den Gewinnerbüros Bogevischs Architekten und Landschaftsarchitekten Stautner+Schäf aus München erarbeitete Konzept beinhaltet 5 fünf- bis achtgeschossige Baukörper auf einer Fläche von 1,5 ha. Neben einem Bürogebäude mit einer Geschossfläche von über 8.000 Quadratmetern, komplettieren drei Wohngebäude und das Pflegeheim das Quartier. Das Gewerbegebäude soll Platz für ein Café, verschiedene Gewerbenutzungen und ein Boardinghouse mit ca. 35 -50 Apartments schaffen. Es werden belebte Freiräume mit einem hohen Aufenthalts-, Spiel- und Grünangebot für Jung und Alt entstehen. Dies ist möglich, da das Plangebiet nahezu autofrei bleiben soll und die Parkierung in zwei Tiefgaragen erfolgt, welche über die verlängerte, künftig mit dem Stich der Max-Stromeyer- Straße verbundenen Weiherhofstraße erschlossen werden. Neben Car-Sharing-Stellplätzen sollen auch Elektroladesäulen zur Verfügung stehen. Das Tor des Quartiers soll der heutige Eingangsbereich des Businessparks werden. Dort führt zukünftig ein Fuß- und Radweg durch das Gebiet und soll an den bestehenden Bodenseeradweg anschließen. Zusätzlich sollen barrierefreie Fußwegeverbindungen durch die Wohnbebauung kurze Wege ermöglichen.
Die Grünräume beinhalten neben privaten Grundstücksgärten ein großzügiges Spielplatzangebot an vier öffentlichen Plätzen. Die Verwaltung hat in engem Austausch mit den Architekten und Vorhabenträgern das Freiraumkonzept optimiert und planungsrechtlich gesichert. So sollen Baumstandorte und Grünstrukturen südlich der heutigen Pforte des Businessparks sowie südlich des Bodenseeradwegs erhalten werden und ergänzende Begrünungsmaßnahmen auf wasser- und luftdurchlässigen Belägen erfolgen. Insbesondere entlang der verlängerten Weiherhofstraße, welche an die Stichstraße Max-Stromeyer-Straße anschließen wird, sowie innerhalb der zusammenhängenden Grünfläche im Wohnquartier sollen neue Baumstandorte und eine mehrstufige Feldhecke entstehen, die eine wichtige ökologische und naturschutzfachliche Funktion übernimmt.
Die Dachflächen aller Gebäude sollen als Grün- und Retentionsdächer in Kombination mit Photovoltaikanlagen gestaltet werden. Dadurch wird auch ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung geleistet.
Insgesamt entstehen 30 % der Wohnungen im geförderten Mietwohnungsbau. Dies geben die baulandpolitischen Grundsätze des Handlungsprogramms Wohnen vor. Durch ein breites Wohnungsangebot, welches von Ein- bis Fünf-Zimmerwohnungen reicht, sollen unterschiedliche Bedürfnisse gedeckt und eine soziale Durchmischung diverser Nutzergruppen erreicht werden.
Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit ist im Frühherbst dieses Jahres der Satzungsbeschluss geplant. Unmittelbar danach soll mit den Bauarbeiten des Pflegeheims und der Wohnanlagen begonnen werden. Der Vorhabenträger rechnet damit, die Wohnanlagen Ende 2023 fertigstellen zu können. Ein bis zwei Jahre später soll die Fertigstellung des Gewerbegebäudes die Entwicklung des Weiherhof Nord abschließen.
Weiteres Vorgehen
Nach Billigungs- und Auslegungsbeschluss des Bebauungsplanentwurfs sowie nach Beschluss der städtebaulichen Verträge zum Bebauungsplan soll die Beteiligung der Öffentlichkeit, Behörden sowie sonstiger Träger öffentlicher Belange erfolgen. Sofern sich kein grundlegender Änderungsbedarf ergibt, kann der Bebauungsplan hiernach zum Satzungsbeschluss, der für September dieses Jahres vorgesehen ist, vorgelegt werden.
Energiekonzept:
Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurde von den Vorhabenträgern jeweils ein Energiekonzept erstellt. Dieses basiert auf den städtischen Vorgaben hinsichtlich Energieversorgung und Energiestandard. Ziel ist es zum einen, die Energiebedarfe der Gebäude zu reduzieren, und zum anderen Strom- und Wärmebedarfe weitestgehend durch die Nutzung von lokal verfügbaren regenerativen Energiequellen zu decken. Zur Reduzierung der Energiebedarfe werden alle Gebäude mindestens nach einem Energiestandard, der dem eines KfW-Effizienzgebäudes- 55 entspricht, realisiert. Zur Deckung der Wärmebedarfe (Heizund Warmwasserbedarfe) werden bei beiden Vorhaben regenerative Energiequellen genutzt, die vor Ort verfügbar sind. Beim Vorhaben Businesspark kommen Sole-Wärmepumpen zum Einsatz, die die Erdwärme nutzen. B eim Vorhaben der Spitalstiftung wird die Wärme aus der Außenluft mittels Luft-Wärmepumpen genutzt, die mit zertifiziertem Ökostrom betrieben werden. Zur Stromerzeugung aus Sonnenenergie werden auf allen Gebäuden Photovoltaikanlagen auf den Dachflächen installiert. Der auf den Dächern produzierte Sonnenstrom kann dann direkt vor Ort, z.B. für den Betrieb der Wärmepumpen, genutzt werden.
Architektur:
Die Wohnungen der Wohngebäude sind über Eck organisiert oder nach Süden orientiert. Die transparenten Fassaden sind in ihrer Formensprache aufeinander abgestimmt. Die Gebäude werden als Stahlbetonkonstruktion mit tragenden Sandwichfertigteilen mit einer durchgefärbten Sichtbetonoberfläche ausgeführt. Beim Pflegeheim wird entgegen dem Wettbewerbsergebnis nun aus brandschutztechnischen Gründen ein gekantetes und perforiertes Alublech verwendet. Das Grundraster der Fassade des Bürogebäudes wird über die Höhe des Gebäudes mehrfach variiert. Dadurch entfaltet der Bürokomplex trotz der massiven Bauweise eine fast spielerische Leichtigkeit. Seine Fassade soll aus eloxiertem Aluminium bestehen, wobei das Gesimse und die Leibungen in spitz zulaufender Form ausgebildet werden sollen.
Handlungsprogramm Wohnen
Petershausen West Weiherhof Zahlen und Fakten
- 30 Prozent Zielgruppenbindung
- 144 Wohnungen und Pflegeheim mit 86 Plätzen
- 30 Prozent geförderte Wohnungen 70 Prozent ohne Bindung
- Größe: 1,5 Hektar
- Eigentümer: 76 Prozent privat, 24 Prozent Spitalstiftung
- geplanter Baubeginn: Herbst 2021
Bauherren:
Businesspark Konstanz GmbH, Spitalstiftung Konstanz, Planungsbüros (Preisträger): bogevischs buero architekten & stadtplaner GmbH sowie Stautner und Schäf Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Partnerschaft mbB
Kurzbeschreibung:
Es ist ein Quartier zum Leben und Arbeiten mit Bürogebäude und Wohnungsbau für verschiedene Bevölkerungsgruppen wie Familien, Paare, Singles geplant. Der städtebauliche Wettbewerb wurde erfolgreich mit einem innovativen Konzept als Ergebnis abgeschlossen. Der Bau einer Pflegeeinrichtung durch die Spitalstiftung und die Schaffung von Service-Wohnangeboten im Gewerbekomplex für zeitweise in Konstanz wohnende Firmen und Hochschulmitarbeiter sind ebenfalls vorgesehen. Das Bauleitplanverfahren läuft, erste Baufertigstellungen sind Ende 2022 vorgesehen. Ziel ist die Schaffung eines hochwertigen, grünen Quartiers mit guter Vernetzung zu Petershausen. Die Max-Stromeyer- Straße soll in Verlängerung durch einen öffentlichen Fuß- und Radweg mit dem „Bodenseeradweg“ verbunden werden.